Der ganze Faust an einem Tag

„Nun sag, wie hast Du’s mit der Religion?“, fragt das Gretchen den Faust beim Kirchentag auf dem Weg. Unter der Regie von Hasko Weber wird Goethes berühmte Tragödie im Opens external link in new windowDeutschen Nationaltheater Weimar zu erleben sein: In beiden Teilen und an einem Tag. Nachmittags lichtet sich der Vorhang für die Geschichte um den gescheiterten Universalgelehrten Faust, der in den unlauteren Angeboten Mephistos die Chance entdeckt, seine Lebensentwürfe gründlich zu revidieren, sich in Gretchen verliebt und schließlich doch keine Ruhe findet. Der Tragödie erster Teil eröffnet das Drama des maßlosen ICHS, das sich an Grenzen, den eigenen und den gesetzten, wundstößt. Am Abend machen sich Faust und Mephisto auf zu einer Reise durch Vergangenheit, Zukunft und über Systeme hinweg.

Im posthum hinterlassenen zweiten Teil seines Schauspiels, das voll ist von mythologischen, kultur- und zeitgeschichtlichen Bezügen, versuchte Goethe dem Sturm der Veränderungen Gestalt zu geben, der seit dem Jahr 1789 ganz Europa erfasst hatte. Er lässt Faust in großem Maßstab zum Geschäftemacher und Verbrecher werden, der unumschränkte Macht- und Besitzansprüche erhebt. Immer mehr und immer ausschließlicher geht es um die Beherrschung der Welt und, damit zusammenhängend, um die Selbstermächtigung des Individuums. Blind für seinen eigenen Untergang, versteigt sich Faust am Ende in eine auch als Albtraum interpretierbare Vision einer Gesellschaft, die sich jederzeit in Bewegung befindet und sich ihre Freiheit täglich erobern muss.

Es spielen u.a. Lutz Salzmann (Faust), Sebastian Kowski (Mephisto) und Nora Quest (Margarethe)

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Fotos: (1–4) Thomas Müller, (5) Matthias Horn