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"Du siehst mich" Losung für Kirchentag und Kirchentage auf dem Weg

Vor einer blauen Wand mit Kirchentagslogo: Bischof Markus Dröge, Präsidentin Christina Aus der Au, Generalsekretärin Ellen Ueberschär präsentieren die Losung des Kirchentags Berlin - WittenbergDer Deutsche Evangelische Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg steht unter dem Leitwort "Du siehst mich". Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au präsentierte in Berlin die Losung aus dem 1. Buch Mose, die über allen Aktivitäten des Kirchentages im Jahr des 500. Reformationsjubiläums und über den sechs Kirchentagen auf dem Weg in Mitteldeutschland stehen wird. Zu dem Christentreffen vom 24. bis 28. Mai 2017 werden in Berlin 140.000 und zum Abschlussgottesdienst in Wittenberg mehr als 200.000 Teilnehmer erwartet.

 

"Angesehen sein, wahrgenommen werden. Diese Sehnsucht ist groß. Dafür schicken wir permanent Bilder von uns selbst in die Welt, per Selfie, Facebook und Whatsapp. Doch wirklich gemeint zu sein - das geht tiefer", sagt Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au. "Aber welche neue Sprache brauchen wir, um gemeinsam über Dinge zu sprechen, die jeden Menschen in seinem Innersten bewegen? Wie können wir verständlich davon reden, dass wir glauben, dass Gott uns ansieht?"

 

Die Losung "Du siehst mich" hatte das Kirchentagspräsidium aus mehreren Vorschlägen ausgewählt. "Ein Satz, der über den biblischen Kontext hinaus auch heute Anerkennung, Wertschätzung und Zuwendung aussagt", sagte Generalsekretärin Ellen Ueberschär. Die Kirchentagslosung stammt aus der Geschichte der Sklavin Hagar im 1. Buch Mose, Kapitel 16, Vers 13 im Alten Testament.

 

Die Geschichte von Hagar, "die erst als Leihmutter herhalten muss und dann von ihrer Herrin so gedemütigt wird, dass sie flieht", sei keine Nacherzählung menschlicher Tragödien, sagte Ueberschär. Unter heutigen Maßstäben seien diese "Ursprungslegenden" des Volkes Israel problematisch, etwa hinsichtlich der Rolle der Frau und des Umgangs mit Gewalt. In diesem Sinne müssten sie eingeordnet werden. Die Geschichte von Hagar werde auch im Neuen Testament und im Koran aufgegriffen. "'Du siehst mich' ist ein Satz, der über den biblischen Kontext hinaus auch heute Anerkennung, Wertschätzung und Zuwendung aussagt", sagte die Theologin.

 

Bischof Markus Dröge äußerte sich erfreut darüber, dass der Kirchentag bereits zum sechsten Mal in Berlin zu Gast ist: "Ich wünsche mir einen Kirchentag voller Aufmerksamkeit, in einer Stadt, in der Arm und Reich weit auseinanderklafft", sagte Dröge. Ebenso wünsche er sich Aufmerksamkeit für diejenigen, die nicht oder anders an Gott glaubten, sowie für eine Kirche, die sich ändere, weil sie sich ändern müsse, ergänzte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

 

Das biblische Leitwort ist zugleich Überschrift für alle Vorbereitungen zum Berliner Kirchentag und für die sechs "Kirchentage auf dem Weg" in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, Dessau-Roßlau und Halle/Eisleben sowie für den Abschlussgottesdienst in Wittenberg. Dort soll der Reformator Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche geschlagen haben. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt für die weltweite Kirchenreformation und die Entstehung der evangelischen Kirche.

 

Der Gesamtetat für die Veranstaltung liegt nach Angaben von Generalsekretärin Ueberschär bei 23 Millionen Euro. Daran beteiligten sich mit neun Millionen das Land Berlin, mit zwei Millionen Euro der Bund und mit einer Million Euro das Land Brandenburg. 7,3 Millionen Euro sind Sponsorengelder und Eigenbeiträge, wie Ueberschär sagte.

 

3,7 Millionen Euro stammen aus kirchlichen Zuschüssen. Ende November soll in Berlin die Geschäftsstelle des Kirchentages 2017 eröffnet werden.