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Ein Taufstein auf Reisen

Gut 300 Kilometer trennen die Gemeinde Hülsede in Niedersachsen und die Lutherstadt Wittenberg. Ein Taufstein hat diese Entfernung nun überwunden und wird Teil der Opens external link in new windowWeltausstellung Reformation.

 Transport des Taufsteins

Die historische Steinmetzarbeit aus der St. Aegidienkirche in Hülsede ist Teil des Projekts "Erlebnis-Raum Taufe" mit dem sich die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bei der Weltausstellung Reformation präsentieren wird. Der Erlebnis-Raum soll Interessierten einen offenen Zugang zur Taufe ermöglichen. Für einen Ausgleich zu modernen, multimedialen Elementen sorgt der massive Taufstein, dessen Entstehung mindestens auf die Mitte des 15. Jahrhunderts - wenn nicht sogar noch ein bis zwei Jahrhunderte früher - datiert ist. Das mit Ranken und Ornamenten verzierte Taufbecken mit einem Durchmesser von 95 cm hat ein Fassungsvermögen von mehr als 100 Litern.

 

Am 22. Januar wurde der gut einen Meter hohe Taufstein in einem Gottesdienst in seiner Heimatgemeinde verabschiedet und am nächsten Tag von einem Steinmetzunternehmen, das 1999 schon für die Restauration zuständig war, abgebaut. Keine leichte Aufgabe - der Taufstein bringt immerhin 500 kg auf die Waage. Zunächst musste er mit Hilfe von runden Stangeneisen von seinem vorherigen Standort unter der Empore des Turmgewölbes heraus bewegt werden. Dann erst konnte er vorsichtig in seine zwei Teile, den Natursteinfuß und das Taufbecken, geteilt werden. Holzboxen, die direkt um die Teile herumgezimmert wurden, sorgten während des Spezialtransportes nach Wittenberg am 24. Januar für die nötige Sicherheit. 

 

Vor Ort wurden die Boxen mit einem LKW-Hebekran abgeladen und passten nur knapp durch die Tür ins Gebäude. Hier war nochmals ein mobiler Seilhebezug von Nöten, um den schweren Stein wieder zusammen zu setzen und auszurichten. Gut zwei Stunden dauerte der Aufbau, der von Ulrike Tüpker, der Projektleitern des Erlebnis-Raums Taufe sowie einem Team aus der Heimatgemeinde des Taufsteins, begleitet wurde.

 Der Taufstein ist fertig aufgebaut.

Bis zum Ende der Weltausstellung Reformation wird der Stein in Wittenberg ausgestellt werden. Doch auch in der Zwischenzeit kann in der St. Aegidienkirche in Hülsede getauft werden. Die Gemeinde hat einen zweiten Taufstein aus dem Jahre 1671, sodass sie ihren "Dicken" mit gutem Gewissen auf die weite Reise schicken konnte.