erstellt von epd, r2017

Eintauchen in die Reformationszeit LUTHER 1517 lädt zu Zeitreise ein

Zeitreise in die Reformation: Im neuen 360-Grad-Panorama "Luther 1517" des Künstlers Yadegar Asisi kann der Besucher in das bunte Gewimmel von Wittenberg vor 500 Jahren eintauchen. Das Riesenrundbild zeigt den Reformator Martin Luther (1483-1546) und seine Zeitgenossen in einer Szenerie auf dem Schlossplatz in Wittenberg, vor der Schlosskirche mit Thesentür, dem Stadttor und der Stadtkirche. Das rund 4,5 Millionen Euro teure Panorama ist ab Samstag für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wittenberg360

Mit Sound- und Lichteffekten kann der Besucher den Wechsel von Tag und Nacht miterleben und sich in das Geschehen um 1517 zurückversetzt fühlen. Das 15 mal 75 Meter große Panorama hat eine Bildfläche von 1.100 Quadratmetern.

 

Das Kunstwerk biete einen "niedrigschwelligen Zugang" zum reformatorischen Denken vor 500 Jahren, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Schirmherrin des Projekts, Margot Käßmann, am Freitag anlässlich der Eröffnung in Wittenberg. Die Reformation sei nicht nur ein kirchliches oder theologisches Ereignis gewesen, sondern von welthistorischer Bedeutung, betonte Käßmann. Im Panorama könnten die Stadt Wittenberg und das damalige Leben noch einmal ganz anders wahrgenommen werden.

Yadegar Asisi, Margot Käßmann, Torsten Zugehör

Das Bedeutende am Erbe Martin Luthers sei für ihn die Forderung des Reformators nach Selbstbestimmung, betonte Asisi: "Das ist heute hochaktuell und ein Wunsch, den wir alle in uns spüren." Für ihn selbst sei Wittenberg, als er in der DDR aufgewachsen sei, ein weißer Fleck gewesen, sagte Asisi. Er habe sich erst mit Religion beschäftigt, nachdem er die DDR verlassen habe. Bei dem Kunstwerk "Luther 1517" gehe es ihm um Emotionalität, um einen "Gedenk- und Gefühlsraum" und neue Denkanstöße.

 

Martin Luther ist gleich in verschiedenen Situationen und Lebensaltern auf dem Rundbild zu entdecken. Hinzu kommen Zeitgenossen wie Friedrich der Weise, Philipp Melanchthon, Lucas Cranach, Katharina von Bora, Thomas Müntzer und Ernst von Wettin sowie Adlige, Bauern und Handwerker. "Luther 1517" bildet einen Zeitraum von 30 Jahren rund um das Jahr der Veröffentlichung der 95 Thesen des Theologen ab. Von einer Besucherplattform in der Mitte des neuen Gebäudes kann das Geschehen aus mehreren Perspektiven und Ebenen betrachtet werden.

 

Oberbürgermeister Torsten Zugehör freut sich über die neue Attraktion: "Mit der heutigen Eröffnung des Panoramas "Luther 1517" wird der Blick auf die zeitgenössische Auseinandersetzung mit der weltbekannten Wittenberger Reformationsgeschichte enthüllt. Dank der herausragenden Zusammenarbeit aller Projektpartner ist noch vor der eigentlichen Eröffnung des Jubiläumsjahres ein Anziehungspunkt für Bürger und Gäste entstanden, der in unmittelbarer Nähe zu den geschichtsträchtigen Reformationsstätten der Lutherstadt, die Lebendigkeit des reformatorischen Gedankens unterstreicht. Ich bin mir sicher, dass die beispielgebende Panoramen-Kunst von Yadegar Asisi auch über 2017 hinaus, einen gesamtgesellschaftlichen Zugang zur Reformation ermöglicht."

 

Das in Kooperation mit dem Verein Reformationsjubiläum 2017 und der Lutherstadt Wittenberg entstandene Projekt soll für mindestens fünf Jahre in dem neu errichteten Ausstellungs-Rundbau zu sehen sein. Betreiber ist die 2015 gegründete gemeinnützige Luther 1517 GmbH. Zum Reformationsjubiläum 2017 werden im kommenden Jahr eine halbe Million Besucher erwartet. In den darauffolgenden Jahren wird mit jährlich 150.000 bis 200.000 Besuchern in der Ausstellung gerechnet. Bereits für das Eröffnungswochenende wird ein Besucheransturm erwartet.

 

Der 1955 in Wien geborene, in Sachsen aufgewachsene und seit 1979 in Berlin lebende Yadegar Asisi hat bereits in mehreren Städten, darunter Berlin, Dresden und Leipzig, monumentale Panoramabilder geschaffen. Auch in Pforzheim in Baden-Württemberg und in Rouen in Frankreich sind seine Panoramen zu sehen.