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Kirchen der Reformation als Wegbereiter für geeintes Europa

Das Geschichtenmobil des Opens internal link in current windowEuropäischen Stationenwegs macht Halt in der lettischen Hauptstadt Opens external link in new windowRiga. 500-jährige Reformationsgedenken besitze für Lettland eine besondere Relevanz, teilt die Pressestelle des Kirchenamtes der EKD mit. Bereits 1522 schloss sich Riga der Reformation an. Sie trug maßgeblich zur Entwicklung des lettischen Schrifttums bei.

 Das Team vor dem Truck, der gerade in Riga angekommen ist

Das Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, begrüßt gemeinsam mit dem Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands, Janis Vanags, den Reformationstruck auf dem Domplatz in Riga und sagt in ihrem Grußwort: „Uns allen ist es bewusst, dass nationalistische und ausgrenzende Töne in Europa wieder lauter werden. Der Stationenweg setzt klar ein anderes Zeichen: Uns verbindet mehr, als uns trennt. Vielfalt ist eine Stärke, wenn sie im Geist der Gemeinschaft gelebt wird.“ Der gemeinsame Glaube an Christus als den Herrn der Welt führe zusammen. Auf diese Weise könnten die Kirchen der Reformation „Wegbereiter für ein geeintes und menschliches Europa sein“, betont die Bischöfin.

 

Fehrs äußert sich bestürzt zur Abschaffung der Frauenordination in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands: Die Entscheidung der Synode vom Juni 2016, Frauen durch eine Verfassungsänderung vom geistlichen Amt auszuschließen, habe „innerhalb und außerhalb Lettlands große Erschütterung, ja Empörung ausgelöst“. Es werde „vor allem der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands selbst schaden, wenn sie das geistliche Potenzial von Frauen nicht mehr nutzt und sie in eine nachgeordnete Rolle zurückstößt“, so Fehrs.

 

Auch der Friedensbeauftragte des Rates der EKD und Schriftführer der Bremischen Evangelischen Landeskirche, Renke Brahms, ist zu Gast in Riga und würdigt beim Empfang der Deutschen Botschaft in einem Grußwort den europäischen Gedanken, der in der Reformation begründet liege. „Das verpflichtet uns in der Evangelischen Kirche in Deutschland nicht nur, die Gemeinschaft der Kirchen in Europa zu pflegen, sondern ist uns selbstverständlicher Auftrag und eine Freude. Kirche kann heute nur europäisch, ja, global gedacht werden. Sie kann nur ökumenisch gedacht und geglaubt werden, wenn sie nach dem Willen Gottes fragt und der Bitte Jesu um Einheit folgt.“

Der Truck vor dem Dom in Riga 

Am Tag bevor der Truck in Riga Station macht, veranstaltete die EKD zusammen mit weiterenPartnern und der Universität Lettlands eine internationale Konferenz mit dem Titel "Reformation in der heutigen Welt". Dort diskutierte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Gerhard Ulrich, auf einem Podium mit Theologieprofessor Wilfried Härle und mit Erzbischof Janis Vanags, zum Thema "Wer sind wir? Identitäten und Reformation". Im Fokus stand hierbei die Bedeutung des Luthertums innerhalb der protestantischen Pluralität und in der modernen Welt.

 

Verantwortung, Freiheit und Bindung an die Bibel – aus diesen Kernelementen lutherischer Existenz folge ein klarer Auftrag für Frieden und Versöhnung in Europa, ist Gerhard Ulrich überzeugt: „Nicht Weltflucht ist es, wozu der Glaube uns anfacht, sondern Weltzuwendung. Die Völker sehnen sich danach, dass wir Zäune niederreißen und die Furcht vor dem Fremden ablegen“, sagte er im Rahmen der Internationalen Interdisziplinären Konferenz. Mit der Reformation sei wieder deutlich geworden, dass jeder Mensch von Gott seine unantastbare Würde zugesprochen bekommen hat. Dies sei die Wurzel von Gleichberechtigung und christlicher Freiheit, und „dieser Freiheit haben wir in der Kirche Raum zu geben“. Im Blick auf das kontrovers diskutierte Thema der Abschaffung der Frauenordination in Lettland machte Landesbischof Ulrich deutlich, dass es „wegen der von Gott zugesprochenen Würde unabhängig von Geschlecht oder Herkunft nicht nur keinen Grund gibt, Frauen nicht zu ordinieren“, sondern dass es eine „Verletzung der Würde und eine nicht akzeptable Einschränkung der Freiheit eines Christenmenschen“ sei, Frauen die Ordination vorzuenthalten. Landesbischof Ulrich verwies deutlich auch auf die leidvolle Geschichte Europas im vergangenen Jahrhundert und auf die Schuld, die die Deutschen daran trügen. Er hob zugleich die Rolle der lutherischen Kirchen als Brückenbauer, Versöhner und Friedensstifter hervor – eine Aufgabe, die bis heute aktuell sei: „Europa ist für mich ein Raum der Versöhnung“.

 

Während des Aufenthalts des Trucks in Opens external link in new windowRiga gestalten Bischöfin Fehrs und Schriftführer Renke Brahms mit weiteren leitenden Geistlichen der lutherischen Kirchen Lettlands, der römisch-katholischen, anglikanischen, baptistischen und evangelisch-methodistischen Kirche in Lettland einen ökumenischen Gottesdienst im Dom. Einen Tag später findet im Kapitelsaal des Rigaer Doms ein Gottesdienst der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland statt. In ihm predigt Bischöfin Fehrs. Um 12 Uhr findet im Dom ein Gottesdienst der Eangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands statt, in dem Schriftführer Renke Brahms predigen wird.

 

Hinter dem Truck auf dem Opens internal link in current windowEuropäischen Stationenweg liegt die Tour durch Skandinavien. Nach Riga geht es weiter nach Opens external link in new windowWuppertal und Opens external link in new windowBremen. Am 20. Mai kommt der 33-Tonnen schwere Truck, gefüllt mit den Geschichten, die er unterwegs gesammelt hat, in Lutherstadt Wittenberg an - dann beginnt die Opens internal link in current windowWeltausstellung Reformation. Die Geschichten, Filme, Videos von unterwegs können schon während der Tour durch 67 Städte in 19 europäische Länder auf dem Blog "Opens external link in new windowGeschichten auf Reisen" beobachtet werden.