erstellt von GEP

Luther ist aktuell, Luther ist relevant

Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation - und der Regisseur und Produzent Nico Hofmann feiert mit. Weil ihm die Reformation viel bedeutet - als Ursprung einer streitbaren evangelischen Kirche und als prägende Kraft für eine offene, freiheitliche Gesellschaft.


Herr Hofmann, die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Warum feiern sie mit?

Weil mir die Reformation sehr viel bedeutet. Viele Themen der Reformation haben mit uns heute fundamental zu tun: Es geht um Dialog und Offenheit, um das Gegenteil von Abschottung gegenüber dem Rest der Welt. Deshalb bin ich evangelisch. Evangelisch zu sein ist für mich die einzige Glaubensform, die mir diese Gesprächskultur, diese Streitkultur, die Neugierde und die Freiheit von jeglichem Fundamentalismus zusichert. Ich bin ein sehr überzeugter Protestant.

 

Sie produzieren für das ZDF einen großen Luther-Film. Eine Herzensangelegenheit?

Für den Film habe ich mich lange und intensiv mit Martin Luther beschäftigt. Je länger ich das tat, desto mehr aktuelle Zeitbezüge haben sich ergeben. Wenn Sie zum Beispiel sehen, welche Rolle der religiöse Fundamentalismus in der Welt spielt. Natürlich wird der Luther-Film sehr stark historisch angelegt sein - aber wer ihn sieht, wird auch merken: Luther ist aktuell, Luther ist relevant.

 

Wofür steht er?

Für Offenheit in der Begegnung mit Themen und Menschen. Er hat die damalige fundamentalistische Auslegung von Religion infrage gestellt - und alle Lebensmodelle, die damit zusammenhingen. Das war hochriskant, dazu gehörte enorm viel Mut. Die Folgen waren nicht nur religiöser Natur: Die Reformation hat auch geprägt, wie wir in dieser Gesellschaft zusammenleben, welche Diskussionskultur wir pflegen.

 

Was wünschen Sie sich für den Luther-Film?

Ich wünsche mir und meinen Mitproduzenten Benjamin Benedict und Joachim Kosack, dass er auch ein Publikum erreicht, das mit Religion kaum Berührungspunkte hat, vielleicht bislang sogar einen großen Bogen darum gemacht hat. Schwierige historische Themen so aufzubereiten, dass sie Diskussionen anregen, ist uns schon bei "Unsere Mütter, unsere Väter" gelungen - der Film erzählt die Geschichte von fünf jungen Menschen im Zweiten Weltkrieg. Kriegserlebnisse waren danach auf einmal Thema zwischen den Generationen. Mit diesen großen Produktionen verbinde ich eine bestimmte politische Haltung und möchte ein bestimmtes Menschenbild fördern: ein Menschenbild der Begegnung und des offenen Dialogs.

 

Wie sind Sie zu dem "überzeugten Protestanten" geworden, als den Sie sich bezeichnen?

Das hat mit meinen Eltern und deren Scheidung zu tun. Meine Mutter hat sich damals zur evangelischen Kirche hingewendet und dadurch viel Kraft bekommen. Diese Erfahrung verbindet auch mich immer wieder an entscheidenden Punkten in meinem Leben mit dem Glauben. Ich lebe ihn und bete regelmäßig - das gibt mir eine große innere Ruhe. Daneben habe ich als Jugendlicher in Mannheim eine sehr lebendige Kirchengemeinde kennengelernt. Das alles hat mich fest in der evangelischen Kirche verwurzelt.

 

Für Luthers Glauben war Freiheit wichtig. Was bedeutet Freiheit für Sie?

Freiheit entsteht aus Gnade und entspricht der inneren Haltung, sich mit Lust streiten zu können. Ein freier Mensch muss nicht der Angst nachgeben. So wie all die Wutbürger, die dauernd sagen "Es ist alles ganz schlimm", aber kein Lebensmodell anbieten, das sie attraktiv finden würden. Freiheit ist das Gegenteil von Abschottung. Deshalb finde die Debatten, die wir momentan über Flüchtlinge führen, so wichtig. Diese Themen würden auch Martin Luther bewegen, wenn er heute leben würde.