erstellt von r2017

Meilenstein der Reformation: Luthers Römerbrief-Vorlesung

Die anhaltische Landesbücherei Dessau feiert ein großes Ereignis: Ende 2015 wurde ein Buch aus dem Bestand der Bibliothek in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Ausgezeichnet werden mit diesem Titel kulturelle Schätze, "die das kollektive Gedächtnis der Menschen in den verschiedenen Ländern unserer Erde repräsentieren". Im Rahmen einer Festveranstaltung in der wissenschaftlichen Bibliothek am 26. Januar wird das Dessauer Dokumentenerbe der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Bild zeigt die gebundene Fassung des Mitschreibt der Römerbrief-Vorlesung doppelt: einmal die geschlossene Fassung und einmal eine aufgeschlagene Seite

Auf Antrag des Leibniz-Instituts für europäische Geschichte in Mainz wurden insgesamt 14 ausgewählte Zeugnisse zu Martin Luthers früher Wirksamkeit aus deutschen Bibliotheken und Archiven in das UNESCO-Dokumentenerbe aufgenommen. Das Dessauer Exemplar von Luthers Römerbrief-Vorlesung (1515/16) in einer studentischen Mitschrift von Sigismundus Reichenbach nimmt unter den nominierten Dokumenten eine herausragende Stellung ein, weil es nicht nur Luthers eigene intensive Auseinandersetzung mit dem Römerbrief dokumentiert, sondern auch seine Wirksamkeit als Lehrer und die Ausstrahlung, die von seiner Person durch das gesprochene Wort ausging. Interessanterweise stimmt die Mitschrift aber nicht in allen Punkten mit Luthers Manuskript überein, was darauf hindeutet, dass Luther selbst von seinen Aufzeichnungen abgewichen ist.

 

Die Dessauer Vorlesungsmitschrift stammt aus dem Besitz des Fürsten Georg III. von Anhalt, der selbst ein bedeutender Theologe und eine treibende Kraft der Reformation war. 1545 wurde er im Merseburger Dom von Martin Luther kurz vor dessen Tod zum evangelischen Bischof ordiniert. Seine umfangreiche Büchersammlung, die seit 1927 zum Bestand der anhaltischen Landesbücherei gehört, ist eine der wertvollsten historischen Büchersammlungen der Reformationszeit im mitteldeutschen Raum.

 

Mit Professor Ernst Koch und Professor Ulrich Köpf konnten für die Festveranstaltung zwei Experten gewonnen werden, die in einem von Adrian La Salvia moderierten Gespräch Luthers Römerbrief-Vorlesung und ihre Bedeutung erläutern werden. Ernst Koch ist Honorarprofessor an der theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zahlreiche seiner Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Reformations- und Kirchengeschichte. Ulrich Köpf ist emeritierter Kirchenhistoriker, ehemaliger Leiter des Instituts für Spätmittelalter und Reformation der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und Mitarbeiter der Weimarer Ausgabe der Werke Martin Luthers.

 

Die Aufnahme in das UNESCO-Dokumentenerbe ist eine große Auszeichnung für ein kleines, vermeintlich unscheinbares Dokument und für die anhaltische Landesbücherei Dessau. Für die Stadt Dessau-Roßlau ist dies der vierte UNESCO-Welterbe-Titel. Opens internal link in current windowDessau-Roßlau ist einer von acht Orten in Mitteldeutschland, in dem von 25. bis 28. Mai 2017 die sechs Opens internal link in current windowKirchentage auf dem Weg unter der Losung "Opens external link in new windowDu siehst mich" stattfinden. In Dessau-Roßlau stehen die Veranstaltungen ab dem Himmelfahrtstag 2017 in Anlehnung an den jüdischen Philosphen und Aufklärer Moses Mendelsohn "Opens external link in new windowForschen - Lieben - Wollen - Tun".