erstellt von epd

Mit dem Protestantismus ist es noch lange nicht zu Ende

Das Festjahr zum 500. Reformationsjubiläum geht allmählich zu Ende. Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, hat in einem Buch, das in der nächsten Woche erscheint, Bilanzbeiträge verschiedener Autoren gesammelt. Mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) sprach er über seine persönlichen Eindrücke, die Lehren aus dem Festjahr und warum es nach seiner Auffassung 500 Jahre nach Luther mit dem Protestantismus "noch lange nicht zu Ende ist".

 

epd: Wie fällt nach Ihrem Überblick über Kritik und Lob in Ihrem Buch Ihre persönliche Bilanz für das Reformationsjubiläum aus?

Johann Hinrich Claussen: Ich freue mich darüber, dass sich so viele Menschen Gedanken zum Reformationsjubiläum gemacht haben, durchaus auch kontrovers. Besonders schön fand ich, wie viel in Zusammenarbeit mit Künstlern und Kulturtreibenden gelungen ist.

 

epd: Einen Gastbeitrag zum Reformationsjubiläum überschrieben Sie vor einem Jahr mit dem provokanten Titel "Ein letztes Fest?". War es das für die Protestanten?

Claussen: Diese Art von Reformationsjubiläum werden wir so bald nicht wieder haben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht weiter fröhlich feiern werden. Mit dem Protestantismus ist es noch lange nicht zu Ende, aber natürlich werden wir das in dieser Größe und gesamtgesellschaftlichen Reichweite so bald nicht wieder hinbekommen.

 

epd: Welche Lehren sollte die evangelische Kirche aus dem Reformationsjubiläum ziehen?

Claussen: Die Hauptlehre besteht für mich darin, dass es nicht mehr reicht, Kirche allein für uns zu sein. Das Reformationsjubiläum ist überall dort geglückt, wo wir als Kirchenleute aus den Kirchentüren hinausgegangen sind und mit anderen gesellschaftlichen Kräften etwas gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Kirchliche Selbstherrlichkeit hat keine Zukunft, wir als Teil der Gesellschaft aber sehr wohl. Nur Kirche für sich allein zu sein ohne Nachbarschaft, das Gemeinwesen, die staatlichen Partner, andere Kulturtreibende, sozial Engagierte mit ins Gespräch zu nehmen - das funktioniert nicht mehr.