erstellt von r2017

Pastor und Liedermacher Fritz Baltruweit zur Weltausstellung

Der Pastor und Liedermacher Fritz Baltruweit hat das tägliche liturgische Angebot auf der Weltausstellung Reformation mit dem Morgengebet und dem Mittagsgebet auf dem Berg sowie dem Abendsegen auf dem Marktplatz mit konzipiert und mehr als die Hälfte dieser Gebete und kleinen Gottesdienste aktiv mitgestaltet, dazu einige Konzerte gegeben. Er hat seine persönlichen Erfahrungen aufgeschrieben.

Fritz Baltruweit

Wir sind mit unseren spirituellen Angeboten rausgegangen auf die öffentlichen Plätze - und zwar kontinuierlich. Das war - denke ich - gerade für die Menschen wichtig, die hier leben und nicht kirchennah sind. Ich habe wenigstens ein bisschen gelernt, was sie brauchen. Das möchte ich nicht missen!

 

Für uns schön: Es gab so gut wie keine Veranstaltung (und es waren weit über 100), wo nicht zum Schluss deutlich mehr Menschen da waren als am Anfang. Aber wichtiger noch: Es waren sehr intensive Erfahrungen und Begegnungen auf dem Bunkerberg, wo zum Schluss auch Schulklassen und Konfirmandengruppen zu den ganz verschiedenen Menschen dazukamen, die ihren Wittenbergtag mit dem Morgengebet beginnen wollten (oder ihren Arbeitstag im Pavillon). Der Berg, auf den alle zum Gebet "hinaufpilgerten", war ein einzigartiger spiritueller Ort. Viele waren dankbar für das Angebot der persönlichen Segnung unter dem Himmelsdach im Rahmen des Mittagsgebetes.

 

Besonders aber hat mich die Entwicklung des Abendsegens auf dem Marktplatz fasziniert. Gerade die "kirchlichen Zaungäste" brauchten die Kontinuität, damit sich etwas in ihnen entwickeln konnte. In den letzten Tagen sprachen mich immer mehr Menschen an, z. B. Verkäuferinnen in den Geschäften oder auch einfach Menschen auf der Straße - alte und junge, Frauen und Männer: "Es ist so schade, dass bald alles zu Ende ist. Besonders vermissen werde ich den Abendsegen." Für sie war enorm wichtig, die Nähe und Distanz zum Geschehen selber bestimmen zu können und ihren Ort für die Andacht zu finden (auch immer wieder neu und verändert).

 

Sie waren dankbar, eine (kurze) Liturgie, Lieder, Worte zu erleben, die zu Herzen gehen, die offen und echt, einladend und nicht vereinnahmend von dem reden und musizieren, wofür wir stehen - von Menschen "gemacht", die genau dafür stehen. Eine Liturgie, Lieder, Worte, die auch "wirken", wenn ein Drittel "nur" zuhört.

 

So "Kirche erleben": Am Ende eines Weltausstellungstages einen Augenblick innehalten, zur Ruhe kommen - das war für die "Kirchen-Nahen" wichtig - und für die, die die Kirche(n) in den letzten Jahren nur von außen gesehen haben. Dieses Miteinander ganz verschiedener Menschen fand ich sehr belebend für das, was sich da ereignete.

 

Solche Erfahrungen haben mich verändert - ich möchte sie nicht missen - und bin dankbar, dass ich daran mit"arbeiten" und feiern durfte.

 

Für mich eine kleine, aber vielleicht sogar wegweisende Randnotiz: Ich erzähle ja immer wieder, wie es mit den protestantischen Liedern auf dem Marktplatz angefangen hat, ehe Martin Luther sie in die Kirchen und Gottesdienste holte. In diesem Sommer sind wir wieder dahin gegangen, wo es mal angefangen hat: auf den Wittenberger Marktplatz.