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Politik und Kirchen würdigen verändernde Kraft der Reformation

Die Bibelübersetzung durch Martin Luther wird als ein Meilenstein in der deutschen Geschichte gelobt. Das Reformationsjubiläum war am Wochenende aber auch Anlass, auf das Verhältnis von katholischer und evangelischer Kirche zu schauen.

 

Kurz vor dem Höhepunkt des 500. Jubiläums haben Kirchen und Politiker die Reformation gewürdigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, durch die Reformation sei vieles gesellschaftspolitisch in Gang gekommen, ohne die Erfindung des Buchdrucks sei sie allerdings undenkbar gewesen. Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche und ihre Verbreitung habe auch zu einer Emanzipation geführt, betonte Merkel in ihrem am Samstag verbreiteten Video-Podcast. Das Nachdenken über damals könne helfen, auch die heutige Zeit besser zu verstehen.

 

Am 31. Oktober jährt sich der überlieferte Thesenanschlag durch Martin Luther an die Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal. Dazu sind ein Festgottesdienst und ein Festakt mit Merkel in Wittenberg geplant. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki lobte die Bibelübersetzung Luthers als "Meilenstein in unserer deutschen Geschichte".

 

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, betonte die weltverändernde Kraft der Reformation. Christen könnten zusammenstehen und sich mit Menschen anderen Glaubens und ohne Glauben verbünden, sagte sie im ZDF-Fernsehgottesdienst am Sonntag in Berlin. "Und indem wir das tun, können wir unsere Welt verbessern", betonte Käßmann, die Botschafterin der EKD für das 500. Reformationsjubiläum ist.

 

Martin Luther (1483-1546) hatte in seinen 95 Thesen die Missstände der Kirche seiner Zeit beklagt. Die Veröffentlichung gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

 

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach sich für eine Wiedervereinigung der christlichen Kirchen aus. "Dafür setzen wir uns seit Jahren ein.

 

Dafür bete ich, dafür arbeite ich", sagte Marx der Zeitung "Bild am Sonntag". Der 31. Oktober 2017 sei kein Schlusspunkt, "sondern ein Doppelpunkt auf unserem ökumenischen Weg als Christen in diesem Land".

 

Käßmann begrüßte die erfolgte Annäherung der Kirchen, sprach sich aber gegen eine Vereinigung aus. "Wir sind verschieden", schrieb sie in einem Gastbeitrag in der "Bild am Sonntag" über Katholiken und Evangelische. "Eine Einheitskirche fände ich genauso langweilig wie eine Einheitspartei", betonte Käßmann. Sie wünscht sich jedoch ein gemeinsames Abendmahl.

 

Die Landeskirchen in Hessen und Baden-Württemberg feierten am Wochenende das Reformationsjubiläum in Festgottesdiensten. Luther habe sich den mächtigsten Institutionen seiner Zeit entgegengestellt und so nicht nur reformatorisch, sondern auch revolutionär gehandelt, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in Marburg.

 

In einem Grußwort wies Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) darauf hin, dass die "große Vielfalt und Toleranz, sowie Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Religionen in unserem Land auch der Reformation zu verdanken" sei. Die Landesbischöfe Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) und Frank Otfried July (Stuttgart) erinnerten in ihrer gemeinsamen Predigt in Mannheim an die "Gnade und Treue Gottes" angesichts der Zerrissenheit der Welt und jedes einzelnen Menschen.