erstellt von epd/r2017

Sechs Kirchentage auf dem Weg eröffnet

Beim evangelischen Kirchentag haben rund 1.000 Menschen auf der Schlosskirchenwiese in Wittenberg einen ökumenischen Himmelfahrtsgottesdienst gefeiert. Dabei stand die Losung des Kirchentags "Du siehst mich" (1. Mose 16, 1-16) im Mittelpunkt.

 

Der Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, der österreichische Bischof Michael Bünker, rief in seiner Predigt dazu auf, auf die Zuwendung Gottes zu vertrauen. Gott höre und sehe jeden Einzelnen, auch wenn das den Menschen zu glauben schwer falle angesichts von ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer, Anschlägen wie am Montag in Manchester und der Angst vor Terror. Stadtkirchenpfarrerin Kristin Jahn, die Bünker liturgisch unterstützte, formulierte es so: "Einer geht weg und ist doch immer da. Das bedeutet Himmelfahrt."

 

Die Lutherstadt Wittenberg ist am bevorstehenden Wochenende das Ziel der Besucher des Kirchentages in Berlin und der sechs mitteldeutschen Opens external link in new windowKirchentage auf dem Weg: Vor den Toren der Stadt kommen Gäste aus aller Welt am Sonntag zum Abschlussgottesdienst zusammen. Der Eintritt zum Festwochenende ist frei.


Erfurt: Gott schaut voller Liebe auf die Menschen

Kirchentag in Erfurt

Etwa 3.7000 Christen verschiedener Kirchen haben beim Kirchentag auf dem Weg in Opens external link in new windowErfurt einen ökumenischen Festgottesdienst gefeiert. Ausdruck gelebter Ökumene waren dabei auf den Stufen des Doms unter anderem die für die Liturgie Verantwortlichen: Zur Seelsorgeamtsleiterin des Bistums Erfurt, Anne Rademacher, dem Senior des Evangelischen Kirchenkreises, Matthias Rein, und der Bischöfin der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Deutschland, Rosamarie Wenner, gesellte sich ein großer Kinderchor aus 500 Thüringer Jungen und Mädchen, viele davon aus dem katholischen Eichsfeld.

 

In seiner Predigt ging der Eisenacher Regionalbischof Christian Stawenow auf diesen "doppelten Martin" ein. Zunächst auf Martin Luther (1483-1546), dessen Leben sich blitzartig geändert habe, nachdem er 1505 vor den Toren der Stadt Erfurt in ein Gewitter geriet. Zu Tode erschrocken habe er gelobt, Mönch zu werden. Die Angst, Gott nicht zu gefallen, sei ihm dagegen noch viele Jahre geblieben. Eine Zeit, in dem langsam die Erkenntnis in ihm reifte. "Luther entdeckte nämlich: Vor Gott muss man keine Angst haben. Gott schaut voller Liebe auf uns Menschen. Er vergibt alle Schuld", sagte Stawenow in Anspielung auf das Kirchentagsmotto "Du siehst mich".

 

Leipzig: Aufruf zu Gottvertrauen und Nächstenliebe

Etwa 2.000 Gläubige haben zur Eröffnung des Opens external link in new windowLeipziger Kirchentages auf dem Weg einen ökumenischen Festgottesdienst gefeiert. In ihren Predigten riefen die leitenden Geistlichen Sachsens zu Gottvertrauen und Nächstenliebe auf. Bei der Open-Air-Feier auf dem Leipziger Marktplatz traten mehrere Chöre und Musikgruppen auf. Unter den Gästen waren der sächsische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) und Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU).

Himmelfahrtsgottesdienst in Leipzig

Der evangelische Landesbischof Carsten Rentzing sagte in seiner Predigt, es sei der entscheidende Schritt des Glaubens, "sagen zu können, dass Gott uns sieht". Vieles scheine in der Gegenwart dagegen zu sprechen, ergänzte er mit Blick auf die diesjährige Kirchentagslosung "Du siehst mich". "Aber im Blick zurück erkennen wir die Spur Gottes", betonte Rentzing. Daraus lasse sich Zutrauen für die Gegenwart schaffen.

 

Der katholische Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, sagte, Menschen seien nicht nur in sich verschlossene Individuen. "Vielmehr sind wir auf ein Du hin geschaffen", erklärte der Bischof. Das größte Glück der Menschen sei es, geliebt zu werden und lieben zu können. "Wer das annehmen kann, erfährt Glück im Leben", sagte Timmerevers.

 

Halle: Rückbesinnung auf Christus

Über 2.000 Menschen haben mit einem ökumenischen Gottesdienst unter freiem Himmel den Auftakt zum regionalen Opens external link in new windowKirchentag auf dem Weg in Halle und Eisleben gefeiert. Der anglikanische Bischof von Leeds, Nicholas Baines, ermutigte die Menschen auf dem Marktplatz in Halle zur Rückbesinnung auf Jesus Christus. "Nicht der IWF, die EU, die Brexiteers oder Donald Trump - Jesus ist der Herr", sagte er in seiner Predigt zu Christi Himmelfahrt.

 

"Wir sind die Menschen, deren Verstand verwandelt, deren Herz befeuert, deren Wollen gestärkt worden ist und deren Fantasie eine Farbexplosion erlebt hat", ergänzte Baines. "Wir sind die nach Jesus geformten Menschen, die nicht mehr von Angst getrieben, sondern von der Hoffnung gezogen werden." Es sei Aufgabe der Christen, der Welt zu sagen, was sie in Jesus gesehen und erlebt haben, erklärte der Bischof der englischen Diözese Leeds: "In dem Jesus, der lebte, der gestorben ist, der auferstanden und aufgefahren ist und der mit dem Vater und in der Kraft des Heiligen Geistes herrscht."

 

Magdeburg: Mehr verbindendes als Trennendes

Mit einem ökumenischen Himmelfahrtsgottesdienst ist der Opens external link in new windowKirchentag auf dem Weg in Magdeburg eröffnet worden. In einer Dialogpredigt am Elbufer nahmen die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, und der katholische Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige, das Verhältnis zwischen evangelischer und katholischer Kirche seit der Reformation in den Blick. Etwa 3.500 Menschen feierten den Gottesdienst an der Elbe mit.

 

Junkermann zeigte sich dankbar, den Eröffnungsgottesdienst "in ökumenischer Verbundenheit" feiern zu können. Evangelische Christen hätten in den vergangenen Jahren bei ihren katholischen Geschwistern manches neu schätzen gelernt, sagte sie und verwies auf die katholische Frömmigkeit. Sie sei auch fasziniert, wie sehr Katholiken ihre Kirche liebten. Das hieße auch, "ganz ernst nehmen, dass Gott uns als seine Kirche braucht, auch wenn wir eine verschwindend kleine Minderheit sind", erklärte die Landesbischöfin.

 

"In zahlreichen Begegnungen und intensiven Gesprächen haben wir erkannt: Uns verbindet mehr als uns trennt," betonte Bischof Feige. "Darum sehen wir uns im Blick auf die Not der Menschen auch herausgefordert, gemeinsamer uns einzumischen und zu handeln, vor allem im Einsatz für die Menschenwürde und das Gemeinwohl, für den Frieden, die Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung." Es sei auch die extreme Entkirchlichung in der Region, die dazu dränge, gemeinsam zu handeln, sagte Feige. Auch die katholische Kirche habe Impulse aufgenommen, die durch die Reformation angestoßen worden seien. Dazu gehöre die erneute Aufmerksamkeit für die Heilige Schrift und die Beteiligung aller Getauften am Leben der Kirche, erklärte der Bischof.

 

Dessau: Den Blick ändern

Eröffnungsgottesdienst in Dessau

Unter dem Motto "Forschen. Lieben. Wollen. Tun." hat die Evangelische Landeskirche Anhalt den Opens external link in new windowKirchentag auf dem Weg in Dessau eröffnet. In einem ökumenischen Festgottesdienst auf dem voll besetzten Marktplatz feierten Christen verschiedener Religionen den regionalen Kirchentag.

 

Vielen Menschen genüge es heute, ohne einen Blick auf Gott ihr Leben zu gestalten. "Wir haben genug mit uns zu tun, wir kreisen um uns selbst," sagte Liebig. Doch Gott sehe das. Die Menschen müssten den Blick ändern und nicht mehr alleine mit sich selbst sein: "Einsamkeit ist eine der großen Krankheiten unserer Zeit." In einem kurzen Gedenken erinnerte der Kirchenpräsident an die Opfer des Attentats von Manchester. Auch ihnen zeige Gott: "You never walk alone." Der Gottesdienst unter freiem Himmel wurde von rund 150 Bläsern sowie einem Gospelchor begleitet.

 

Weimar: Gott greife in der Not ein

Mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Markt ist in Weimar der Opens external link in new windowKirchentag auf dem Weg Weimar/Jena eröffnet worden. Superintendent Heinrich Herbst erklärte, das 500. Reformationsjubiläum werde in einer Zeit begangen, in der Christen besonders im Osten Deutschlands in der Minderheit seien. Das Jubiläum solle Anlass sein, danach zu forschen, welche Bedeutung der Glauben in der heutigen Gesellschaft haben könne, sagte er vor rund 1.800 Besuchern.

 

Der slowakische Generalbischof Milos Klátik rief zu einem würdigen und menschlichen Umgang mit bedürftigen und schwer kranken Menschen auf. Gott sei bei den Menschen auch in Not und Krisen, auch wenn sie den Eindruck hätten, jeder habe sie verlassen. Gott könne jedoch in der Not eingreifen, sagte der Generalbischof der Evangelischen Kirche Augsburgerischen Bekenntnisses in der Slowakei. An dem Gottesdienst wirkten auch orthodoxe und katholische Theologen mit.