erstellt von r2017

Seit einem Jahr sind wir im Haus

Der Schulleiter des Luther-Melanchthon-Gymnasiums, Michael Sandau, stellt Volunteers und Hauptamtlichen die Geschichte des Hauses vor. Seit genau einem Jahr befindet sich die Geschäftsstelle von r2017 im ehemaligen Melanchthon-Gymnasium.

 

Friedrich der Weise gründete 1502 die Universität in Wittenberg. Dort lehrte der Reformator Martin Luther sowie Philipp Melanchthon, der 1518 seine Antrittsvorlesung hielt. Dabei sprach er viel über Veränderungen im Bildungssystem und brachte "frischen Wind" mit. Im Jahre 1564 entstand folglich ein neues Schulgebäude, in dem heute die Evangelical Lutheran Church in America, ELCA, einen Sitz hat.

Michael Sandau hält einen Vortrag in der Aula

Im 19. Jahrhundert wurde außerhalb der eigentlichen Stadtmauern ein neues Schulgebäude nach den Plänen von Franz H. Schwechten errichtet, das ehemalige Melanchthongymnasium und die heutige Geschäftsstelle des Vereins Reformationsjubiläum 2017. Das städtische Gymnasium wurde im Januar 1888 eröffnet und war ein repräsentativer und zu dieser Zeit prunkvoller Bau, mit der Aula als schönstem Raum des Gebäudes. Die wohl "schönste Aula Sachsen-Anhalts" beinhaltet gut erhaltene Holzschnitzereien, die Lebensabschnitte Luthers zeigen. Eine gewölbte Holzdecke ist mit Schmuckelementen verziert.

 

Lediglich das Wandbild wurde erst zwei Jahre nach der Eröffnung der Schule 1888 von Woldemar Friedrich angefertigt und zeigt Luther auf dem Reichstag in Worms. Dort musste er sich vor dem Kaiser für seinen Thesenanschlag verantworten. Friedrich malte auch Personen auf das Bild, die nicht in Worms anwesend waren. So entdeckt man Lukas Cranach, Philipp Melanchthon oder Johannes Bugenhagen. Erst im Jahre 1897 wurde das Gymnasium zu Ehren des 400. Geburtstages Philipp Melanchthons umbenannt.

 

Während des ersten Weltkrieges fielen viele Schüler und Lehrer der Schule. Im Jahr 1927 wurden dafür nachträglich zwei Bronzetafeln angebracht. Im Zweiten Weltkrieg diente die Schule vor allem zur Soldatenausbildung und als Lazarett. Bereits im Jahre 1948 wurden dort zum ersten Mal wieder die Abiturzeugnisse verliehen.

 

In der Zeit der Wende wurde das Bildungswesen vom Westen fast vollständig übernommen, daher gab es anfangs keine Schulbücher und etliche Lehrer wurden entlassen. Parallel dazu entstand die Hundertwasserschule - das Martin-Luther-Gymnasium. Durch den demographischen Wandel um die Jahrtausendwende gab es 2003 den Kreistagsbeschluss, die beiden Schulen Martin-Luther-Gymnasium und Philipp-Melanchthon-Gymnasium, zusammenzuführen. Die Fusion fand bald darauf, von 2005 bis 2006, mit Herrn Sandau als Direktor beider Schulen, statt. Bis der Unterricht im Melanchthon-Gymnasium 2014 komplett untersagt wurde, wurde dort trotz Fusion weiterhin unterrichtet und geprüft.

 

Aufgrund der gravierenden Mängel des Gebäudes mussten brandschutzrechtliche Maßnahmen wie eine Feuertreppe und Fluchttüren eingebaut werden, bevor der Verein Reformationsjubiläum 2017 im Januar 2016 in das Gebäude einziehen konnte. Nach dem #Reformationssommer soll das Gebäude wieder in seinem ursprünglichen Zustand zurückgegeben werden. Sanierungsarbeiten werden vorgenommen. Und wer weiß, vielleicht können bald wieder Schüler der Schule in der Aula stehen und sagen "Ich bin hindurch.".