erstellt von r2017

Volkslieder Martin Luthers mit dem Knabenchor Hannover

Jörg Breiding

Der Knabenchor Hannover bietet mit Capella de la Torre sowie Stephan Abel und Band Volkslieder der Reformation auf seine eigene - und sehr besondere - Art. Unter Leitung von Professor Jörg Breiding präsentieren sie ein Programm, in dem neu deutlich wird, dass Volkslieder zu den stärksten Antriebskräften der Reformation gehörten. So kommen am 12. August auf der Bühne am Schloss auf der Weltausstellung Reformation Choräle zu Gehör, die bis zu 500 Jahre alt und dennoch hoch aktuell sind.

 

Der Knabenchor Hannover zählt seit Jahrzehnten zu den herausragenden Chören seines Genres. Im Jahr 2002 übernahm Prof. Jörg Breiding die Leitung des Chores von seinem Vorgänger Prof. Heinz Hennig, der den Chor im Jahr 1950 gegründet hatte. Das umfangreiche Repertoire des Knabenchores Hannover reicht von Werken der venezianischen Mehrchörigkeit bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Dabei stehen besonders Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts, insbesondere die Werke Heinrich Schütz' und Johann Sebastian Bachs im Zentrum der Arbeit.

 

Konzerte im In- und Ausland, mit renommierten musikalischen Partnern, Gastspiele in großen Konzerthäusern und bei bedeutenden Musikfestivals sowie preisgekrönte CD-Einspielungen gehören zum Wirkungsbereich des Chores. Seit seiner Gründung hat der Chor mehr als 80 Konzerttourneen in über 45 Länder unternommen, darunter fast alle Länder Europas, die Russische Föderation, Israel, Japan, Kuba, Mittel- und Südamerika, die USA, Südafrika und China.

 

Zu den stärksten "Motoren" der Reformation gehörten die "Volkslieder" Martin Luthers. Durch sie erst wurden die Menschen seiner Zeit aktiv am reformatorischen Geschehen beteiligt. Luther hat bewusst bekannte Melodien verwendet und hierfür neue Texte geschrieben, um dem Volk seine theologischen Ansichten nahezubringen. Und durch das Singen wurde Luthers Lehre noch viel stärker als durch seine Schriften in den Herzen der Menschen verankert. Ende 1523 greift Luther selbst zur Feder und zur Laute. In weniger als einem Jahr entstehen 24 der 39 von ihm überlieferten Lieder: "Wes' das Herz voll ist, des geht der Mund über", bringt Luther es in seiner Übersetzung von Matthäus 12, 34 auf den Punkt. Was darunter gut evangelisch zu verstehen ist, erklärt er schon 1522 - bevor also das erste evangelische Lied auf den Marktplätzen erklingt - in der Vorrede zu seiner Übersetzung des Neuen Testaments.

 

Bei der Auswahl der Stücke des Knabenchores wurde natürlich auf Lieder der Reformationszeit zurückgegriffen. "Wir gläuben all an einen Gott" zum Beispiel stammt aus dem ersten Wittenberger Gesangbuch. Darin sind nicht nur einstimmige Choralmelodien enthalten. Johann Walter komponierte kunstvolle polyphone vier- bis sechsstimmige Choralbearbeitungen, die ebenso Einzug darin fanden.