erstellt von r2017

Was wirklich zählt

Torsten Zugehör, Oberbürgermeister der Luthestadt Wittenberg, zog in der Pressekonferenz zum Abschluss der Weltausstellung Reformation Bilanz:

 

Die Lutherstadt Wittenberg hat sich über die Reformationsdekade und die Zeit der Weltausstellung Reformation innerlich und äußerlich verändert: Sanierte Kirchen, ein neuer Hauptbahnhof und vieles andere mehr lassen unsere Stadt nachhaltig erblühen.

Das Jahr 2017 und im Besonderen die Weltausstellung haben die Stadt auch innerlich verändert. Bei allen anfänglichen Sorgen und Ängsten: Jeder Tag der Weltausstellung war für uns ein Geschenk! 2017 war das mit Abstand erfolgreichste und am stärksten besuchte Jahr in der Geschichte unserer Stadt. Die Stadt ist als "kleinste Großstadt der Welt" und weltoffene Gastgeberin selbstbewusster geworden. Zu verdanken haben wir das auch den starken Partnern der Evangelischen Kirche Deutschland, den Landeskirchen, den Gemeinden aus aller Welt, insbesondere aber den vielen Ehren- und Hauptamtlichen des Reformationsjubiläum 2017 e.V. (r2017).

 

Am Anfang war es schwer. Das "Experiment" einer Weltausstellung in den Wallanlagen einer ostdeutschen Kleinstadt hat es zuvor nicht gegeben. Für den r2017 war es dabei immer eine Selbstverständlichkeit, die Stadt in die Prozesse der Beobachtung, des Lernens und des Nachjustierens kollegial und partnerschaftlich einzubinden. Die Weltausstellung war und ist kein "Event der Superlative". Dies sollte sie auch nicht sein. Neben den großen waren es besonders die kleinen Formate, Veranstaltungen, Dinge, die überraschten. Es waren die möglichen Perspektivwechsel, die sich durch die vielen neuen Orte der Weltausstellung in den Wallanlagen ergeben haben. Einerseits durch die Inhalte der Themenwochen, andererseits durch die Orte, die wir neu erschlossen haben.

Im Gasthaus der Ökumene waren jede Woche andere Länder der Erde zu Gast. Wir haben deren Kultur näher kennengelernt und waren glücklich, dass es Menschen gibt, die eine enorme Anreise auf sich genommen haben, um gerade im Jahr 2017 ihre Traditionen und Beziehungen zur Reformation für eine Woche in der Lutherstadt Wittenberg präsentieren zu können. Was bleibt? Neben der aufwendigen Sanierung und Restaurierung vieler Gebäude unserer Stadt, die es ohne das Reformationsjubiläum in dieser Form nicht gegeben hätte, bleibt für jeden einzelnen Gast bzw. haupt- oder ehrenamtlich Mitwirkenden, woran ihr oder sein Herz hängt. Dies darf auch für unsere Stadt gelten.

 

Es bleibt zu wünschen, dass dieser neue Spirit, das positive Vibrieren unserer Stadt, noch lange Zeit zu spüren bleibt. Die Wittenbergerinnen und Wittenberger schauen selbstbewusst auf ihre Geschichte, Gegenwart und in die Zukunft. Das Gefühl für Kirche scheint ein anderes, offeneres geworden zu sein. Es bleibt die Einmaligkeit des Jahres und das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Die Stadt mit ihren Menschen hat sich selbst besser kennengelernt - die Welt hat uns besser kennengelernt. Es bleibt eine zauberhafte und optimistische Stadt, die in den letzten 25 Jahren eine innere und äußere Verwandlung erfahren hat, wie nie zuvor in ihrer 725-jährigen Geschichte.