Im Alten Gefängnis

Kunst, die weiter weist

Internationale Gegenwartskunst trifft auf das geistige „Modell“ Luther: Das ist der Ausgangspunkt der Ausstellung „Luther und die Avantgarde“, die die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. in Kooperation mit dem Reformationsjubiläum 2017 e.V. vom 19. Mai bis 17. September 2017 präsentiert. Zentraler Ausstellungsort ist das ehemalige Gefängnis in Wittenberg, das eigens für die Ausstellung in Stand gesetzt und öffentlich zugänglich gemacht wird. Rund 60 internationale Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit impulsgebenden Gedanken der Reformation auseinander, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben; u. a. werden Arbeiten von Eija-Liisa Ahtila, Ólafur Elíasson, Ayse Erkmen, Isa Genzken, Pascale Marthine Tayou, Günther Uecker, Ai Weiwei, Erwin Wurm und Zhang Peili zu sehen sein. Weitere Standorte der Ausstellung sind Berlin und Kassel. Hier zieht die Kunst in Kirchengebäude ein.

 

„Die Ausstellung ist eine aktuelle Bestandsaufnahme künstlerischen Schaffens, sie versammelt Positionen zu Phänomenen, die uns heute weltweit beschäftigen. Das alte Gefängnis in Wittenberg ist ein herausfordernder, aber auch hoch spannender Ausstellungsort. Wir freuen uns, dass wir darüber hinaus zwei weitere Ausstellungspartner haben, die das Programm in Wittenberg ergänzen: In der Berliner St. Matthäuskirche werden wir Gilbert & George präsentieren und in der Karlskirche in Kassel die indische Künstlerin Shilpa Gupta, kombiniert mit Arbeiten des Stuttgarters Thomas Kilpper“, erklärt Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. und Sprecher des Kuratoriums. Ermöglicht wird die Ausstellung durch die Unterstützung der EKD.

 

In der Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ begegnen sich der Reformator als Vordenker und Avantgardist seiner Zeit und aktuelle Kunst, die Position bezieht zu gesellschaftlichen Fragen unserer Tage. Martin Luther hat religiöse, soziale und gesellschaftliche Reformprozesse in Gang gesetzt, die über die christlichen Wertvorstellungen hinaus die Gesellschaft radikal verändert haben. „Nicht nur in soziokultureller Hinsicht kann der Reformator als Avantgardist bezeichnet werden. Luther hat die Welt verändert – was verändert sie heute? Welchen Stellenwert hat dabei die Kunst? Welche Haltung und Rolle nehmen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler ein?“ Diesen und weiteren Fragen spüren die Kuratoren in der Ausstellung nach.

 

Die Haltung der Künstler zu Themen wie Freiheit, Individualität oder Widerstand nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Aber auch die Kraft von Sprache und Bildern im Kontext staatlich oder religiös motivierter Macht- und Moralansprüche und neuer Medien soll kritisch untersucht und visualisiert werden. „Die ausgewählten Arbeiten haben als autonome Einzelwerke eine intellektuelle, visuelle und auch poetische Kraft, wirken aber auch dialogisch im Geflecht der Erzählstruktur der Ausstellung. Im Zusammenspiel bilden sie ein Kaleidoskop zeitgenössischer Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Beobachtungen“, erläutern die Kuratoren. An 40 Tagen lädt Bazon Brock in Wittenberg zu seiner Besucherschule ein.

 

Luther stärkte die Rolle des Betrachters und befreite die Kunst von religiösen Diktaten; er schrieb: „Die Bilder sind weder das Eine noch das Andere, sie sind weder gut noch böse, man kann sie haben oder nicht haben.“ Sein Beitrag zur Bilderfrage ebnete der künstlerischen Moderne den Weg und ist bis heute gleichermaßen eine Herausforderung an die Künstler wie an die Betrachter. Fordert dieser „Freibrief“ doch zu allen Zeiten Künstler auf, immer wieder neu über die Aufgaben und Inhalte von Kunst nachzudenken – dies gilt insbesondere auch im Jahr des 500-jährigen Reformationsjubiläums. Realisiert wird die Ausstellung mit einem internationaltätigen kuratorischen Team, bestehend aus Kay Heymer, Leiter Moderne Kunst, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf; Susanne Kleine, Kuratorin, Bundeskunsthalle, Bonn; Dimitri Ozerkov, Leiter Moderne Kunst, State Hermitage Museum, St. Petersburg; Walter Smerling, Vorsitzender Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Bonn und Sprecher des Kuratoriums; Peter Weibel, Direktor Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe und Dan Xu, Kunsthistorikerin, Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Bonn.

 

„Luther und die Avantgarde“ ist Teil der mehrteiligen „Opens internal link in current windowWeltausstellung Reformation – Tore der Freiheit“, die vom Reformationsjubiläum 2017 e.V. in den Wallanlagen um die Altstadt von Wittenberg vom 20. Mai bis 10. September 2017 realisiert wird. Weitere Kooperationspartner sind die Kulturstiftung St. Matthäus Berlin und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck.

 

Gefördert von:

Altes Gefängnis Wittenberg, Foto J.W.OhlertFoto: Joseph Wolfgang Ohlert

Altes Gefängnis Wittenberg Dachgiebel, Foto J.W.OhlertFoto: Joseph Wolfgang Ohlert